Tee Reise China mit dem Schweizer Teeclub

Im April 2014 waren wir in China unterwegs - hier besuchten wir die berühmten Teeanbaugebiete für Long Jing, Pi Lo Chun (Bi Luo Chun) und Felsen-Oolong. Yixing, die Hauptstadt der Teekännchen-Produktion, Naturschutzgebiete und Paradebeispiele für biologischen Anbau waren weitere Highlights. Und was gab es im 5-Stern Hyatt Park Hotel im 91. Stock des World Financial Centers in Shanghai zu trinken - Ronnefeldt Tee! Viel Freude beim Lesen in unserem Blog!

Unser Programm im Überblick:
- Start in Shanghai mit Stadtbesichtigung und Fahrt nach Suzhou mit dem Zug. Besuch auf dem Teemarkt und bei einem Bi Luo Chun Produzenten.
- Fahrt mit dem Minibus nach Yixing in die berühmte Keramik Stadt. Weiterfahrt nach Hangzhou mit dem Zug.
- Hangzhou mit einer Wanderung über dem Löwengipfel und Besuch bei einem Long Jing Produzenten. Und ganz besonders freuen wir uns auf das Teemuseum in Hangzhou.
- Zugfahrt nach Wuyishan und Besuch bei einem Wuyi Rock Tee Produzenten und Wanderung in den Teegarten. Besuch des Naturschutzgebietes mit den berühmten Teegärten.
- Wuyishan, Besuch einer Teefabrik und dann wieder mit dem Nachtzug nach Shanghai.
An dieser Stelle erst einmal herzlichen Dank an unsere Reiseorganisatoren - dem Schweizer Teeclub in Zusammenarbeit mit Länggass Tee aus Bern.
Wir - das sind übrigens Michaele und Harald "Moses" Moosbrugger - und dass Tee, Whisky und Freiheit zusammengehören zeigen unsere gut in den Koffern verstauten Fläschchen!

Shanghai bis spät in die Nacht. Vom Daketang Tea House zum World Financial Center - dem "Flaschenöffner" mit dem 5-Stern Hyatt Park Hotel - und Ronnefeldt Tee!

Mit dem Transrapid "Maglev" fuhren wir in die Stadt - 8min fuhr er und er wurde über 300km/h schnell - eine Magnetschwebebahn.

Die größte Attraktion von Shanghai ist Shanghai selbst - die Stadt ist im Aufbau und wenn man auf den Strassen spazieren geht sind ca. 90% junge Leute unterwegs. Für pittoreske Altstadtviertel gibt es in dieser Stadt kaum Platz. Dass man in einer riesigen Stadt - der Großraum Shanghai hat über 23 Millionen Einwohner - ist, merkt man auf den Straßen auf beiden Straßenseiten ist auf den Fußgängersteigen organisierter Gegenverkehr. Am Abend schoben wir uns also durch zum "Bund", eine imposante Uferpromenade, in der die Vergangenheit auf die Zukunft trifft.

Dann stand auf dem Programm, auf was wir uns schon zuhause vorbereitet hatten - der Besuch des Yu Yuan "Garten der Zufriedenheit", Shanghais bedeutendste klassisch-chinesische Attraktion, haben wir das nicht schon in einem Film gesehen? Mit dem Garten ergibt es ein wundervolles Wechselspiel, das viele kleine Szenen auf kleinstem Raum schafft. Abwechslungsreich und man hat beim Verlassen den - erwünschten - Eindruck, noch nicht alles gesehen zu haben, es bleibt spannend. Im berühmten Teehaus taten wir das gleiche wie einst die Queen von England - wir tranken Tee! Zu den Sehenswürdigkeiten gehörte auch noch ein Besuch im Stadtgotttempel, in dem kräftig geräuchert und Papiergeld verbrannt wurde. Da brauchte man wirklich einen Mundschutz, sonst war eigentlich kaum jemand mit so einem zu sehen.

Wir trafen mit den anderen Mitreisenden zusammen und machten gleich einen Besuch im wunderschönen Teehaus Daketang im ehemaligen französischen Konzessionsgebiet in Shanghai. Das Teehaus befindet sich in einer französischen Kolonialvilla und hat sich auf sehr alte Pu Erh zu Spitzenpreisen spezialisiert. Für uns durfte es dann doch ein etwas günstigerer sein. Beim anschließenden Bummel durch das nächtliche Shanghai wagten wir uns in den "Flaschenöffner", in den 91. Stock wo sich das Hyatt Park Hotel befindet - und was sahen wir da - Ronnefeldt Tee! Wow! Allerdings genehmigten wir uns um diese Zeit dann doch einen Cocktail bzw. Whisky, man ist ja schließlich flexibel!


Altstadt von Shanghai


Bund ist der angloindische Ausdruck für ein befestigtes Flussufer, eine Skyline wie im Film und auf der anderen Seite spiegeln die Bauten die koloniale Vergangenheit


Die "Kleinstadt" Suzhou

Jetzt sind wir wirklich in China angekommen

Suzhou ist ziemlich "klein" mit 5,4 Mio. Einwohner. Der 1. Tag in dieser Stadt war zur freien Verfügung und so besuchten wir nach einem landestypischen Mittagessen am "Canale Grande" mit einer Fahrradrikscha einen der berühmten Gartenanlagen, die UNESCO Welterbe sind.


Auf dem Teemarkt herrscht ein reges Treiben

Der Teemarkt umfasste mehrere Gassen mit ca. 60-80 Teehändlern und da Erntezeit war, herrschte ein reges Treiben. Länggass Tee führte uns zu einem Geschäftspartner, der sich viel Zeit für uns nahm und wir durften Bi Luo Chun von der 1. und von der 2. Pflückung probieren - dazwischen waren nur 10 Tage Unterschied. Und dann auch noch die Teepflanzenvarietät An Ji Bai Cha. Aus dieser Pflanze macht man normalerweise weißen Tee, hier durfte man einen Grüntee verkosten. Dieser Tee überzeugte viele von uns und so wurde fleißig eingekauft.


Yixing, die berühmte Keramikstadt

Yixing, der berühmte Ort für Teekännchen, die man in der Gong Fu Cha Teezeremonie verwendet, war heute das Ziel. Die Stadt liegt ungefähr 3-4 Autostunden von Shanghai entfernt. Herr Chou, der Manufakturinhaber, erklärte uns, dass man die abgebaute Erde bzw. die Steine monatelang liegen lässt. Der Abbau des Materials in Stollen, die bis zu 35m niedriger sind als der Meeresspiegel, fand seit den 50-er Jahren statt. Wir gingen zum Eingang eines geschlossenen Tunnels, der sich wie eine Schlange durch die Erde windet, 6 bis 7 Zweige hat und 5km lang ist. Für Besucher ist er nicht mehr geöffnet. Die Regierung stoppte den Abbau des Materials jetzt für mehrere Jahre, es ist aber genug zur Verarbeitung vorhanden. Auch im Tagbau wurde das Material abgebaut, Nr. 5 ist anscheinend der beste Hügel. Jetzt ist ein See angelegt, der 30m tief ist. Auf dem Rückweg sehen wir eine ganze Straße mit Schlammverkäufern.
Während der Ming Dynastie (1388-1644) begann man, Tee in der vorher eher unbekannten Teekanne aufzubrühen. Suzhou war das kulturelle Zentrum der Ming-Dynastie.
Die Erde bzw. die Steine haben einen hohen Anteil an Sand und Eisen, das Material atmet den Duft des Tees aus und wird hauptächlich für Teekännchen verwendet. Sie haben eine Textur wie satiniert und einen Glanz von Perlen und Jade. Es gibt 5 Grundfarben - purpur, gelb, rot, grün und schwarz.
In den Kiln, in dem immer noch wie früher gebrannt wird, werden die Kännchen in Töpfe gestellt und der Kiln wird von außen befeuert. Der Kiln ist ca. 40m lang und um die 3m breit. Die verschiedenen Farbnuancen der Kännchen hängen natürlich auch von den Brenntemperaturen ab - zwischen 1175 und 1185°C. Wenn das Material länger gelagert ist, kann die Temperatur niedriger sein. Heute wird natürlich auch mit modernen Öfen mit Gas gebrannt.
Die Formgebung der Teekännchen ist reine Handarbeit, Herr Chou hat ca. 20 Angestellte in seiner Manufaktur. Es braucht ca. 2 Jahre bis man lernt, ein verkaufbares Teekännchen herzustellen. Töpferschale wird keine verwendet, sondern das Material wird gerollt und geschlagen, genau angepasst und mit kellenartigen Geräten verziert. Um ein einzelnes Kännchen herzustellen braucht es mehrere Tage, das Grundmaterial wird immer wieder befeuchtet.


Hangzhou und Umgebung

Ein Tag zur freien Verfügung in der Stadt

Hier in dieser Region hat sich das Beste der Teekultur erhalten. Es gibt sehr viele gepflegte Teehäuser, ein Tea Research Institut und das Teemuseum. Die Stadt ist lebenswert und unser Reiseführer sagt, wenn er sich vorstellen könnte, in China zu wohnen, dann in Hangzhou. Diese Stadt ist die Hauptstadt der Provinz Zhejiang und hat ca. 4 Millionen Einwohner.

Gigantisch gebaut für viele Menschen war der Bahnhof in Hangzhou - und das ist nur einer - von dem aus wir unsere Reise mit dem Liegewagen nach Wuyishan starteten. 9 Stunden waren wir unterwegs und hatten Zeit, die Fotos nachzureichen. Viel Spaß beim Stöbern!


Besuch beim Teebauern in Long Jing

Eine Wanderung über den Löwengipfel und ein Besuch beim Teebauern und Lieferant von Long Jing von Länggass Tee, Familie Mei, war angesagt.
Familie Mei war einer der ersten Lieferanten hier, mit dem das Teehaus Länggass seit nicht ganz 15 Jahren zusammenarbeitet. Tee ist hier wie an vielen anderen Orten auch Vertrauenssache, da die Herkunft aus dem berühmten Ort (die natürlich den Preis steigen lässt), nicht immer gesichert ist. Das kennen wir ja von Darjeeling, das jetzt eine geschützte geografische Bezeichnung ist. Long Jing hat 5 berühmte Hügel.
Der Teeanbau ist hier fest in der Hand der einzelnen Familien. Man sieht bei vielen Häusern im Eingangsbereich bzw. vor der Türe Woks stehen und viele sprechen uns bei unserem Rundgang auch an, ob wir nicht ihren Tee verkosten wollen. Früher war das ganz einfach eine Platzfrage, den Wok im Eingangsbereich zu platzieren, heute ist das wohl bei vielen Neubauten nicht mehr so. Die Familien machen Ihren Tee selbst, man bringt ihn nicht woanders hin. Wir fangen mit dem Besuch der berühmten Drachenbrunnenquelle - von der der Name Long Jing kommt - an und waschen uns mit dem Wasser die Hände und das Gesicht. Unsere Kollegen haben erzählt, dass am Tag zuvor gerade Japaner da waren, die sich etwas von dem berühmten Wasser abfüllten. Auch eine Souvenirmöglichkeit!
Da wir noch nicht gefrühstückt haben, findet Nancy für uns einen sehr netten Ort, wo wir schon 3 verschiedene Long Jing Tees probieren können und eine gute Nudelsuppe bekommen. Incl. dem Tipp, wie man die Nudeln mit Hilfe von 2 Stäbchen und etwas drehen herausbekommt.
Mit den Fingerspitzen gibt die Hausherrin eine ziemliche Menge Tee in die Gläser, in der Art haben wir den Grüntee auch die Tage zuvor serviert bekommen. Wir fragen nach den Unterschieden, die Tees sind alle aus der letztjährigen Ernte. Sie seien nicht durch das Alter dunkler geworden, sondern die verschiedenen Farben seien auch durch die unterschiedlichen Lagen und die Erde erklärbar. Ein wunderbarer Duft steigt auf. Grüntee trinkt man in China in dieser Gegend nicht aus dem Gaiwan.
Auf unserer Wanderung machen wir eine ganze Menge Fotos - wann ist man schon in einer so tollen Gegend und die Pflückerinnen sind sehr freundlich. So wie wir stolz auf unsere Chinesisch-Kenntnisse sind - "nihau", begrüßen Sie uns mit Hallo! Gepflückt wird der Tee meistens von Frauen, zur Erntezeit holt man sich zu den Familienmitgliedern externe Helfer dazu. Die Ernte begann am 25. März und ist 3-4 Wochen lang. Für unseren Teebauern war gestern der letzte Erntetag. Wichtig ist vor allem die 1. Ernte, eine 2. Ernte macht man eher nur bei schlechteren Qualitäten, gedüngt wird teilweise schon. Die Teebüsche sind so geschnitten, dass gut gepflückt werden kann und wir sehen Männer mit Motorsägen, die die Büsche gleich nach der Ernte zurückschneiden. Manche der Büsche wurden sehr stark zurückgestutzt und man lässt ihnen dann mehr Zeit. Ein Mann warnt uns vor Schlangen - er hat einen Stock dabei - und wir bekommen den Tip, einfach fest aufzutreten.
Die Pflückerinnen haben relativ wenig Blätter in ihren Körben, das ist eigentlich ein Zeichen von guter Qualität, verarbeitet werden die guten Qualitäten dann auch am gleichen Tag noch. Produziert werden bei unserem Händler ca. 10kg am Tag - wir können uns ausrechnen, wieviel die Pflückerinnen leisten müssen, wenn man rechnet dass 4 kg frischer Tee ca. 1 kg trockener Tee ergibt. Das meiste des Tees wird für den chinesischen Markt produziert und natürlich auch gerne an Touristen verkauft, eine Börse wie wir sie z.B. von Sri Lanka kennen, gibt es hier nicht.
Grundlegend gibt es zwei Teepflanzen-Varietäten, die alte Long Jing Pflanze, die dickere und längere Blätter hat und etwas später pflückreif wird und die jetzt immer mehr verwendete Nr. 43. Einer ihrer Hauptvorteile ist wohl die frühere Pflückzeit, das erzielt definitiv bessere Preise. Qing Ming am 5. April ist ein sehr wichtiges Datum, davor ist der Teepreis höher. Länggass Tee würde auch keine Teereise vor diesem Datum durchführen, da jetzt erst garantiert ist, dass man frischen Tee bekommt.
Nach einem ausgezeichneten Mittagessen in einem Restaurant in der Nähe, in dem wir einfach dasitzen und es genießen, in Long Jing zu sein, besuchen wir den Teebauern, der uns die weitere Verarbeitung des Tees vorführt. Neben dem traditionellen Wok, der im unteren Bereich 100°C erreicht, gibt es eine Maschine, die bei günstigeren Qualitäten die Arbeit erleichtert. Ca. 10 Minuten wird mit dieser Maschine bei 195° C der 1. Schritt der Teeverarbeitung durchgeführt, bei den weiteren, die mehr Fingerspitzengefühl erfordern, kommt man wieder auf den Wok zurück. Bei diesem Teebauern ist die Arbeit mit dem Wok mehrheitlich Männersache, entweder der Chef oder sein Vater macht diese Arbeit. Zum Schluß wird der Tee noch gesiebt.
Der Geschmack überzeugt uns und wir geniessen noch einen 2. und 3. Aufguss. Bei der Lagerung des Tees ist die Kühlung wichtiger als eine Vakuumverpackung. Vielen herzlichen Dank an Länggass Tee für die Organisation dieses Tages und des wunderbaren Erlebnisses.


Besuch im Teemuseum mit anschließender Stärkung


Teeanbau im Einklang mit der Natur in Mei Jia Wu

Lukas Lange von Länggass Tee hat einen besonderen Besuch geplant - über einen fast verfallenen Weg gelangen wir in einen wunderschönen, sehr gepflegten Teegarten - ein richtiges Biotop mit Hühnern und 27 Arten verschiedener Bäume, Räumen für Teeschulungen und Teeverkostungen. Wir gehen an 60 Jahre alten Teebüschen vorbei und man erklärt uns, dass die Geschichte des hier angepflanzten Long Jing 600 Jahre alt ist. Long Jing ist die Nr. 1 der 10 besten Tees von China. Wir sind hier in 130m Höhe westlich vom Westsee, ein Fluß ist in der Nähe und wir sind umgeben von Hügeln. Der beste Tee kommt von der Mitte der Hügelkette, weiter oben ist zuviel Sonne, der Tee bittert dann gerne. Die Wolken in der Mitte der Hügelkette und wenn der Hang Richtung Süden zeigt sind optimal für den Tee. Der PH-Wert der Erde ist hier 5-5,6. Die Ernte findet hier vom 1. bis 20. April statt und aller Tee der angebaut wird ist von der alten Teepflanzenvarietät. Mehrere Tonnen Long Jing werden insgesamt heute verarbeitet. Die guten Qualitäten sind ca. 1/3 der Produktion. In dem von uns besuchten Teegarten ist die Erntemenge ca. 150kg pro Jahr.
Gepflückt wird hier die Knospe mit einem Blatt oder 2 Blättern, gute Fingernägel sind beim Pflücken gefragt. Hier geht die Farbe des Blattes leicht ins purpurne - der Tee ist dadurch dunkler. Nach dem Pflücken wird der Tee nach Größe sortiert und gewelkt, die Welkzeit hängt auch vom Wetter ab. 6-12 Stunden sind Durchschnitt. Wenn bei Regen gepflückt wird, muss der Tee länger welken. Sollte es jedoch mehrere Tage regnen, wirkt sich das auf die Qualität des Tees aus.
Für den 1. Schritt um den Tee zu rösten hat die Temperatur im Wok 200°C. Unser Teamaster heißt Yang und wir dürfen alle selbst einmal an den Wok. Am oberen Rand ist er eigentlich nicht heiß aber es braucht etwas Gewöhnung, die Hand immer gestreckt zu halten und mit der 2. Hand den Tee hineinzuschieben. Die zweiten 10 Minuten wird die Temperatur dann auf 100°C gedrosselt. Die weiteren Schritte werden dann doch lieber vom Profi gemacht und wir bekommen dann jeder noch eine Probe mit - es wird empfohlen, den Tee eine Woche liegen zu lassen und wir freuen uns schon auf den Genuss zuhause.
Hier wird versucht die anderen Bauern in der Genossenschaft dahingehend zu beeinflussen, dass vor allem die alte Teepflanzenvarietät verwendet werden soll. Es handelt sich um eine Varietät von Camellia sinensis. Bei unserer Nachfrage über den Bio-Tee Anbau wird uns erklärt, dass seit Jahren darauf sehr geachtet wird und die Balance der Natur extrem wichtig ist, z.B. achtet man auf Vögel, die bestimmte Insekten fressen. Im Moment läuft gerade ein Versuch mit Zikadenbefall (in Zusammenarbeit mit dem tea research institute) an bestimmten Teepflanzen, wie wir es vom Oriental Beauty her kennen.
Der sehr hochwertige Long Jing wird mit der Gong Fu Cha Methode aufgegossen. Wir staunen, bei einer Temperatur von 95°C. Sehr interessant zu hören, dass diese Temperatur wichtig für das Qi des Tees sei, das so am besten herauskommt. Mehrere Aufgüsse werden gemacht, 5-6 sind möglich. In der Ming Zeit begann man, den Tee so zu trinken.
Überrascht hat uns dann doch der Preis des Tees, nämlich 4000 Yuan für 100 Gramm, das sind dann doch ca. 600 Schweizer Franken. Der Tee ist aber trotzdem ein Jahr im Voraus schon verkauft, was wieder bestätigt, dass sehr gute Qualitäten in China einfach noch mehr geschätzt werden als das bei uns der Fall ist.
Die 2. Runde mit einem anderen Tee, der am 9. April gepflückt wurde, wird dann im Glas wie meistens serviert und mehrmals aufgegossen. Was wir auch noch nicht wussten, dass sehr gute Teequalitäten schneller sinken und es dann einfacher ist, aus dem Glas zu trinken als wenn der Tee länger oben bleibt, wie es bei Maschinenverarbeitung oft der Fall ist. Auch ist das Teeblatt dann dünner und spitziger.
Man nennt den Long Jing queen of green tea - queen wohl deshalb, weil er schön ist.
Die Teepflückerinnen verdienen hier 120 Yuan am Tag und 60-80 Yuan mehr wenn die Teequalität sehr gut ist.
Das Mittagessen an diesem regnerischen Tag findet dann in einem sehr gut besuchten Restaurant statt, das sich auf das Kochen mit Tee spezialisiert hat und wir probieren uns quer durch die Speisekarte - und für die Biertrinker unter uns wird das Bier im 3-Liter Fässchen serviert, auch ein Erlebnis! Im Anschluß ist dann noch der Besuch im Teemuseum eingeplant, als staatliches Museum, das für alle zugänglich sein soll mit freiem Eintritt. Es gibt sehr alte Gebrauchsgegenstände und auch Hinweise auf die gesundheitlichen Aspekte des Teetrinkens.
Den Abend lassen wir dann mit einem Besuch in einem sehr schönen Teehaus ausklingen, in dem nur der Tee bezahlt wird und dann gilt - all you can eat - es herrscht eine herrliche Ruhe und wir probieren verschiedene Tees wie Pu Erh, Tie Guan Yin, Dong Ding Oolong, Ginseng Oolong,.. Den Abschluß bildet dann ein feines Nudelsüppchen, das geht immer.


Wuyishan in der Fujian Provinz - im Südosten Chinas

Besuch bei der Wuyi Rock Tea Produzentin

Wie die Pfadfinder starteten wir heute nach unserem obligatorischen Reissuppenfrühstück in die Berge - in die Wuyi Rock Mountains - auf den Spuren des Felsen Oolong. Wir kraxelten ein ganzes Stück um auch wirklich die Teebüsche zu sehen, von denen wir dann den Tee probieren durften. Und als Draufgabe erfuhren wir ganz genau, woher der Rauchgeschmack im Tee kommt - im Raum, in dem auch die Holzkohlenröstung in großen Bambuskörben stattfindet, werden einige Rauchgefäße mit Holzkohle aus Kiefernholz aufgehängt und der Raum dann geschlossen. Beim Whisky wussten wir es ja schon - für die Teefreaks unter uns: da wird zur Trocknung der gemälzten Gerste feuchter Torf ins Feuer geworden, um Rauchgeschmack zu bekommen.
Im heute besuchten Partnerbetrieb von Länggass Tee wird vor allem die berühmte und klassiche Teepflanzenvarietät Da Hong Pao (Rote Robe) verwendet. Es sind alte Büsche mit größeren Blättern. In der Wuyi Gegend soll es ca. 300-400 verschiedene Arten Teebüsche geben. Die Emanzipation scheint hier kein Thema zu sein, es ist ein Familienbetrieb und Chefin ist hier eindeutig die Frau. Leider sind wir gerade noch um eine Woche zu früh dran, um den Teepflückerinnen bei der Arbeit zuzusehen, die Ernte beginnt erst. Gepflückt werden beim Tee die Knospe und 3 Blätter. Es ist klar, dass es Zeit braucht, bis die Blätter den Geschmack des felsigen Bodens aufnehmen können. Gewelkt wird, bis der Tee nur noch ca. 80% Feuchtigkeit hat, die Zeit hängt vom Wetter ab, ca. 40 Minuten. Man zeigt uns die Metalltrommeln, in denen der Tee in Partien zu 50 kg mit einer Temperatur von 28-32°C 12-15 Stunden anfermentiert wird - für Schwarztee wären es 30 Stunden. Für 20 Minuten wird er dann mit Holzbefeuerung und 120°C in einer anderen Trommel gerollt. Die Form erhält dieser Oolong durch eine Maschine, die wir in ganz ähnlicher Art von der Schwarzteeproduktion in Sri Lanka her kennen. Bei diesem Tee bleiben die Blätter ja größer und er wird nicht zu Kugeln gerollt. Fasziniert hat uns das Rösten mit Holzkohle. Die Temperatur unter den geschlossenen Bambuskörben ist 70-80°C für 12 Stunden. Am Anfang wird der Tee alle 40 Minuten bewegt, später dann einmal in der Stunde. Der Tee sollte nach dem Rösten mindestens 2 Wochen ruhen.
Wir verkosten Shui Xian shien und Da Hong Pao, aufgegossen mit einer Wassertemperatur von 95-100°C. Schlürfen macht hier wirklich Sinn, erstens verbrennt man sich nicht den Mund und zweitens wird dadurch der Tee im ganzen Mund verteilt und es kommt Sauerstoff dazu, man schmeckt eindeutig mehr. Nach einer kleinen Weile wird Süße im Mund spürbar. Es könnte natürlich auch sein, dass der Tee Oolong (sprich Ulong) heißt, weil das Blatt wie ein u im chinesischen ausschaut. Wir probieren einen viermal gerösteten Tee von der letzten Ernte, Jin Jun Mei Schwarztee und Rauchtee Lapsang Souchong - Zheng Shan Xhong Xiao - aus wilden Teepflanzen von alten Teebüschen. Die Grundbasis des Rauchtees ist Schwarztee.
Chinesischen Schwarztee kann man ohne weiteres mehrmals aufgießen, da er wesentlich länger fermentiert wurde als z.B. ein Darjeeling.
 - und eines vielleicht noch in eigener Sache - es kann leicht sein, dass sich der eine oder andere Übersetzungsfehler oder ein Missverständnis eingeschlichen hat - wer also einen Fehler findet, kann ihn gerne behalten - oder natürlich mich informieren, dazulernen tue ich immer gerne!


Naturschutzgebiet Wuyishan mit den berühmten Teegärten

Bilder sagen mehr als Worte, wir spazierten heute durch den Naturschutzpark mit seiner Vielfalt an Teebüschen und genossen eine Bambusgondelfahrt.


In der Wuyi Rock Tea Fabrik

Für hiesige Verhältnisse sicher eine Fabrik, aber wenn wir an Betriebe mit CTC Produktion in Sri Lanka denken (von denen Ronnefeldt aber keinen Tee bezieht), wirkt es für uns höchstens wie eine kleine Teemanufaktur. Zwei Schwestern und ihr Cousin führen die Geschäfte in 3. Generation und alle drei sind sehr um uns bemüht. Gegenseitige Geschenke werden überreicht. Zuerst zeigt man uns voller Stolz im Überblick die gesamte Produktion und dann bekommen wir eine Vorführung über frühere Produktionsweisen. Als man die Trommeln zur Anfermentierung des Tees noch nicht hatte, wurde er auf Bambuskörben ca. 8 Stunden lang hin und her geschüttelt. Wir probieren es auch und müssen wieder einmal feststellen, dass wir doch bei unserer Arbeit bleiben sollten. Die Blätter des Tees sind wesentlich größer wie beim Long Jing und es werden mehrere Blätter und die Stängel verwendet, die später wieder aussortiert werden.
Das Blatt für den Wuyi Rock Oolong Tee wird ca. 4 Stunden gewelkt und kommt dann bei 36°C-37°C für 8-12 Stunden in die Drehtrommel - zuerst bei langsamer Drehung, dann schneller. Die Drehung erfolgt nach einer gewissen Zeit auch in entgegengesetzte Richtung. 150 kg fasst diese Maschine, doch ein ziemlicher Unterschied zur Produktion wie wir Sie vor 2 Tagen erleben durften. Dann kommen die Blätter für 10 min bei 300°C in die nächste Drehmaschine, hier wird die Fermentation gestoppt. Der Tee wird gerollt in einer Maschine, wie wir sie in ähnlicher Form aus Sri Lanka kennen (dort werden damit die Blätter aufgebrochen um die Fermentation in Gang zu setzen). Hier findet aber die Formgebung für die Blätter statt. 10min. bis 40min. wird hier gerollt, das hängt vom Tee ab, Schwarztee braucht länger. Der Tee wird dann noch in der großen Maschine getrocknet, bei 140°C ca. eine halbe Stunde lang. Schwarztee wird nach dem welken, anfermentieren und rollen in Körbe gegeben und mit feuchten Tüchern für 4-6 Stunden zugedeckt, um ihn noch weiter fermentieren zu lassen, kommt dann in eine Maschine um ihn wieder aufzulockern und wird dann getrocknet.
Das Rösten des Tees in Bambuskörben in der eigenen Kammer (mit Holzkohle unter den Körbe) findet bei 80°C-100°C statt, je nach Tee wird alle 40min. gemischt und geröstet wird 5-6 mal. Der Tee muss dann mindestens 2 Wochen ruhen.
Spannend für uns ist die Maschine zum Tee pressen. Für einen Teefladen benötigt man ca. soviel Tee, wie in zwei Liter-Gefäße hinein passt. Dann wird der Tee 1 Stunde lang stark gepresst. Solche Tees sind ein beliebtes Geschenk, oft mit Firmenprägungen oder wie jetzt gerade eben mit Pferden - zum Geburtstag im Jahr des Pferdes. Der Tee wird meistens aufgestellt und ist nicht vordringlich zum Trinken gedacht.
Schwarztee wird nach dem welken, anfermentieren und rollen in Körbe gegeben und mit feuchten Tüchern für 4-6 Stunden zugedeckt, um ihn noch weiter fermentieren zu lassen und dann bei 70-100°C getrocknet.
Jetzt geht es an die Verkostung und wir bewundern die Selbstverständlichkeit in der Handhabung des Teegeschirrs, das für uns "Westler" doch am Anfang nicht so einfach ist. Wir probieren, wieder unter lautem Schmatzen, Rougui und Qi Lan, stark gerösteten Da Hong Pao - sieben mal geröstet mit 120°C, jeweils eine Stunde lang. Den Schweizern unter uns steht der Sinn jetzt sehr nach Schokolade, auch eine Süßigkeit würde sicher gut dazupassen, aber wir sind ja zum "Arbeiten" da, um die verschiedenen Nuancen herauszuschmecken. Der Betrieb produziert ausgezeichneten Rougui und die Chefin hat Freude daran,uns die Teesorten raten zu lassen. Da es allerdings teilweise unbekannte Teevarietäten sind, haben wir ziemliche Schwierigkeiten damit. Die Oolong Teeproduktion des letzten Jahres war sehr gut, ein ausgezeichneter Jahrgang, besser als die Jahre zuvor. Ein entscheidender Qualitätsfaktor ist hier das Wetter. Die meisten Teeproduzenten stellen ihre Tees in verschiedenen Qualitäten her.


Unser Gala-Abschlussessen in Wuyishan

Nach einem wunderschönen, romantischen Gala-Abendessen in Wuyishan machten wir uns auf eine lange Zugreise im Liegewagen nach Shanghai. Kurz vor unserem Abflug war noch "Power-Shopping" angesagt, um Souvenirs für unsere Lieben zu Hause und für mich eine typisch chinesische Kleidung (aus dem Museumsshop) zu finden. Wir sind zufrieden, glücklich und freuen uns auf daheim. Vielen Dank nochmals allen Organisatoren und Helfern. Michaele + Harald Moosbrugger

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